Arno Schmidt: Der Vogelhändler von Imst

Ein Radioessay von Arno Schmidt über Karl Spindler

Und eine Uraufführung am Heide(n)-Spektakel 1986

 

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Bekanntermaßen musste sich Arno Schmidt in den  Fünfziger-  und Sechzigerjahren mit allerlei Brotarbeiten über Wasser halten. Dazu zählten auch unzählige Radioessays, die sein Schriftstellerkollege und Förderer Alfred Anders, seinerzeit Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk, regelmässig beim Sender unterbringen konnte. Diese erhellenden „Nachtgespräche“, oft in Dialogform, stellen dem Hörer längst verstorbene und oft vergessene Dichter und Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts vor.

Mehr als drei Dutzend Dialoge und auch Streitgespräche über Gegenstände der Literatur sind in diesen für Schmidt entbehrungsreichen Jahren entstanden. Diese Dialoge – über Autoren wie Dickens, James Joyce oder die Schwestern Bronte, über deutsche Autoren wie Wieland, Moritz, Stifter oder eben auch Karl May. Vergessene Autoren wie Gustav Frenssen, Heinrich Albert Oppermann oder Karl Spindler wurden von Schmidt mit Nachdruck ins rechte Licht gesetzt und diese Radioessays erfreuen auch noch heute die Literaturfreunde mit ihren gewagten bis durchaus schrägen Statements, gefundenen und erfundenen Pointen und humoristischen Randnotizen – die Marotten und bizarren Vorlieben des Autors aus Bargfeld und schulmeisterhaftes Dozieren eingeschlossen.

 Es sind Texte eines kritischen Intellekts, der auch dialektisch sezieren kann und seine mitunter nervtötende Besserwisserei mit Humor zu entschärfen versteht. Damit wurde der Autor Schmidt für schlaflose Literaturfreunde zum Geheimtipp.

Schmidts Erzählungen und Romane  profitierten von diesen Essays und somit wurden sie langsam aber sicher einem ganz speziellen Publikum bekannt. Diese brillanten Textstücke sind eine Fundgrube für Literaturfreunde und unterhalten den interessierten Leser aufs allerfeinste. Der deutsche, in Breslau geborene Schriftsteller Karl Spindler (1796-1855) wird von Schmidt in einem Radioessay mit seinem Stück „Der Vogelhändler von Imst“ vorgestellt, welches Spindler im Jahr 1841 publizierte.

Beim „Heide(n)-Spektakel“  der Randlage Eschede im Sommer 1986 inszenierte das Bremer Theater  diesen Radioessay auf improvisierter Bühne zwischen Menschen und Schafen. Leier liegen mir keine Textdokumente zu dieser Inszenierung vor, so dass ich nicht angeben kann, welche Schauspieler damals unter der Regie von Günter Krämer in Eschede auf der Bühne standen.

 

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(Bremer) Theater und ländliches Spektakel in der Südheide 1986 – fotos: jml

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